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Wildbienen Nisthilfen

Baumaterial, Totholz und markhaltige Stängel

Manche Wildbienenarten nisten nur in Pflanzenstängeln, sonst nirgends. Pflanzenstängel sind Mangelware.

Einfach Stängel stehen lassen nützt nichts. Die Stängel müssen angeschnitten oder gekappt werden, nur dann werden sie bewohnt.

Nur ganz bestimmte Stängelarten werden besiedelt: Am besten sind Brombeerranken. Man kann auch Himbeeren, Königskerzen, Rosen, dünne Holunderzweige, wilde Karden, Disteln und Wegwarten ausprobieren.

Die Stängel werden einzeln und senkrecht montiert.

Was noch hilft: Totholz mit mindestens 15 cm Durchmesser trocken lagern.

Schneckenhäuser in den Beeten herumliegen lassen. Diese Bereiche vorsichtig betreten.

Löcher im Laubwerk tolerieren und wollige Pflanzen anpflanzen.

Stängel und Baumaterial

Was vielen engagierten Gartenbesitzer*innen unbekannt ist: In Wildbienenhäusern nisten häufige Wildbienenarten. In markhaltigen Stängeln nisten auch seltene Wildbienenarten - so die Faustregel. Eben diese Stängel sind Mangelware in unserer aufgeräumten Landschaft. Und es funktioniert: Von den im Frühjahr 2020 im Garten Guntersblum geschnittenen Brombeerranken sind im Sommer 2020 fast alle bewohnt. In den 2018 geschnittenen Stängelstücken der wilden Karde nistet sogar Anthidium nanum, eine recht seltene Wildbiene.

Ein markhaltiger Stängel ist ein Stängel, der im Innern nicht hohl ist, sondern mit einer meist weißen, etwas weichen Masse gefüllt ist, dem Mark. Die Wildbienen höhlen selbst den Stängel an der Stelle aus, an der sie ihre Brutzellen anlegen. Damit die Wildbienen an das Mark herankommen, muss der Stängel abgeschnitten oder abgebrochen sein, denn sie beginnen ihr Werk an der Schnittstelle, die Seitenwände sind zu hart. Die Stängel werden am besten besiedelt, wenn sie 1. einzeln und 2. senkrecht angebracht werden. Zum Beispiel kann man sie am Zaun festbinden. Auch einzeln waagerecht hängende Stängel können mit etwas Glück besiedelt werden. Jedes Frühjahr werden frische Stängel benötigt. Die alten Stängel müssen mindestens bis zum Sommer des Folgejahres hängen bleiben. Falls der Platz eng wird, dürfen sie im Herbst des Folgejahres bei einem Spaziergang an einem sonnigen Heckenrand möglichst senkrecht abgestellt werden - es könnte noch Leben darin sein.

Wildbienen haben eindeutige Vorlieben hinsichtlich der Pflanzenarten, von denen die Stängel stammen können. Mitteldicke Stücke von Brombeerranken sind eine gute Wahl.

Bewohnte Stängel haben keine glatte Schnittkante mehr, sondern ein Loch in der Mitte. Mit Glück lässt sich darin eine Wildbiene beobachten.

Einige Wildbienen graben ihre Gänge gerne selbst in morsches Totholz. Größere Stücke, weißfaule Stücke und Obstbaumholz sind besonders geeignet. Unter Umständen liegt dann ein ganzer Haufen Sägespäne neben dem Totholz, welches die Wildbienen mit ihren Mundwerkzeugen ausgehöhlt hat.

Zum Bau der Zwischenwände und der Verschlüsse der Brutzellen benötigen die Wildbienen unterschiedliche Materialien, welche sie sammeln und zum Nest fliegen. Einige Wildbienenarten nagen Löcher in Blätter, um aus dem Blattmaterial Pflanzenmörtel herzustellen. Andere Wildbienen nagen die Wolle von den Blättern der Königskerze oder der Ziestarten ab, fliegen die Wollkugeln zum Nest und bauen daraus Zwischenwände. Manche Wildbienen verschließen ihre Niströhren mit Baumharz. Andere mischen feuchten Lehm und feine Steinchen miteinander. Besonders sehenswert sind die geometrisch runden Löcher, welche die Blattschneiderbienen in Pflanzenblätter schneiden, da sie gleichmäßig geformte Blattstücke zum Auskleiden der Brutzellen verwenden. Besonders beeindruckend ist das Verhalten der zweifarbigen Schneckenhausmauerbiene. Sie wählt ein Schneckenhaus sorgsam aus, positioniert es, tarnt es mit Pflanzenmörtel und fliegt Ästchen herbei, welche die vielfache Länge des eigenen Körpers haben, um sie über dem Schneckenhaus aufzutürmen. Auch diese Art lässt sich in großen Naturgärten, in denen leere Schneckenhäuser auf dem Boden liegen, durchaus zum Nisten überreden.