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Von Vorbildern lernen

Insektenfreundliche Blumenwiesen säen und anlegen

Blumenwiesen sind für Schmetterlinge, Wildbienen, Käfer und Grashüpfer überlebenswichtig.

Echte Blumenwiesen bestehen immer aus heimischen Gräsern und heimischen Wiesenblumen.

Viele "Blumenwiesen"-Samentüten enthalten jedoch keine heimischen Gräser und kaum heimische Wiesenblumen: Augen auf beim Kauf.

Die hochwertigste und einfachste Lösung für den Naturschutz ist die Mahdgut-Übertragung. Oder die Pflegeverbesserung vorhandener Wiesen. 

Je magerer und je unkrautfreier der Boden, umso besser der Erfolg. Manche Projekte tragen deswegen den Oberboden ab und verzichten auf Muttererde. 

Eine kleine Lösung für den Privatgarten kann die Wiesenblumen-Insel sein. Ihre Samen verwandeln nach und nach den umgebenden Garten.

Magerwiesen wie diese "Wiese am Hirtenborn" sind europaweit in Gefahr - durch Nutzungsänderung, Unkenntnis und Gleichgültigkeit. Es dauert mindestens 100 Jahre, eine solche Pflanzenvielfalt zu entwickeln.Magerwiesen wie diese "Wiese am Hirtenborn" sind europaweit in Gefahr - durch Nutzungsänderung, Unkenntnis und Gleichgültigkeit. Es dauert mindestens 100 Jahre, eine solche Pflanzenvielfalt zu entwickeln.

Insektenfreundliche Blumenwiesen, größere Blühflächen oder der Wildbienenschutz in der freien Landschaft sind ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz. Hier gilt es, Fehler zu vermeiden.  Denn einfach ist nicht gut und gut ist nicht einfach.

Zur Wiese führen unterschiedliche Wege:

Am bekanntesten ist das Ansäen einer Wildblumenmischung. Der Vorteil: Mischungen enthalten sehr viele verschiedene Pflanzenarten und haben einen geringen Preis pro Quadratmeter. Der Nachteil: Man weiß nicht was keimt - manchmal auch gar nichts von den gesäten Arten, stattdessen Unkraut. Es keimen niemals alle gesäten Arten. Ob die für Wildbienen wichtigen Blumen keimen und im Konkurrenzkampf mit den Nachbarkeimlingen gewinnen, lässt sich nicht vorhersagen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit fehlen am Ende einige Blumen, die man für Wildbienen gerne gehabt hätte. Grundsätzlich sollte nur Regiosaatgut verwendet werden, denn andere Samentüten enthalten meist fachlich schlechter zusammengestellte Mischungen.

Damit eine Wiesenansaat gelingt, sollte der Boden mager und frei von jeglichem Bewuchs sowie frei von Wurzelresten sein. Viele Naturgärtner empfehlen daher den Oberboden abzutragen. Manche Wiesen gelingen auch auf fetten, verunkrauteten Böden - hier sind Geduld und gekonnte Pflege gefragt, damit sich nach mehreren Jahren die Blumen gegen die Unkräuter durchsetzen. 

Die wichtigste Überlegung vor dem Anlegen einer Wiese ist daher, wer sie hinterher pflegen soll. Funktionierende Blumenwiesen müssen in den nächsten Jahrzehnten 1-3x im Jahr gemäht werden. Das Mahdgut muss runter von der Fläche, notfalls auf einen großen Haufen am Wiesenrand (Ggf. die vor Ort gültigen Regeln beachten). Damit Schmetterlinge eine Chance haben, müssen ein paar Inseln oder Streifen vom Mähvorgang verschont werden oder es müssen Teilstücke zu unterschiedlichen Zeitpunkten gemäht werden, das nennt man Staffelmahd. Gerne darf das Mahdgut vor dem Abtransport auch mehrere Tage auf der Fläche liegen bleiben, um die Samen herausfallen zu lassen.

Als Rollrasenvariante gibt es die "Wildblumenmatte" mit vielen wildbienenfreundlichen Arten, zu der mir noch keine Erfahrungsberichte vorliegen.

Für die freie Landschaft und für Naturschutzprojekte ist Mahdgut-Übertragung die vermutlich beste Variante. Die abgemähten Gräser und Blumen von Naturschutzflächen der Region werden auf die neue Fläche, die zuvor gepflügt oder gefräst und dann geglättet wurde, locker aufgestreut. Die Samen fallen heraus und bilden im Verlauf weniger Jahre eine artenreiche Blumenwiese, in welcher nur autochtone Pflanzen stehen und die passenden Kleinstlebewesen gleich mitumgesiedelt sind. Wer stattdessen eine Samenmischung wählt, darf laut Gesetz in der freien Landschaft nur "Regiosaatgut" verwenden.

Mahdgut-Übertragung scheint wesentlich hitze- und trockenheitsverträglicher zu sein als Ansaat. Im Jahr 2020 hatte Rheinhessen zahlreiche trockenheitsbedingte Ausfälle bei hochwertigem Saatgut zu verzeichnen, während die Projekte aus Mahdgut-Übertragung gut bis sehr gut keimten. Vermutlich wirft das Heu einen leichten Schatten und bietet einen zarten Schutz vor Wind. Ein ähnlicher Effekt lässt sich erreichen, indem Schnellbegrünung zur Samenmischung zugefügt wird. Im Hausgarten kann zur Not Kaninchenfutter-Heu aus dem Tierbedarf oder Stroh mit 10-500g pro Quadratmeter die Ansaat bedecken. In Weinbauklima kann es sinnvoll sein, in den ersten drei Jahren den Bewuchs zu schröpfen und als Mulch liegen zu lassen, um den Schatteneffekt noch länger aufrecht zu erhalten.

Bei größeren Projekten lohnt es sich, nach unsichtbaren Blumenwiesen zu suchen. Beispielsweise werden in Gewerbegebieten und am Straßenrand die Flächen so häufig gemäht, dass dort nie Blüten zu sehen sind. Dennoch sind diese Flächen voller Blumen, die als kleine Blattrosetten zwischen den Gräsern zu sehen sind. Hier reicht eine Pflegeumstellung. Das ist die einfachste Methode, eine Blumenwiese anzulegen. Natürlich nur, wenn die Blumen schon da sind und darauf warten, endlich blühen zu dürfen. Und so geht es: Man verzichtet zwischen Februar und Ende Juni probeweise auf das Mähen. Wenn in diesem Zeitraum schöne Wildblumen erscheinen (siehe Rubrik "Pflanzenplaner" oder Bestimmungs-App), sollten höchstens ein paar Quadratmeter neu gestaltet werden. Für die übrige Fläche wird die Pflege umgestellt: Die Wiese wird nur noch 1-2 mal im Jahr gemäht. Das Mahdgut wird  - möglichst erst nach ein paar Tagen - entfernt. Optimalerweise wird das Mahdgut dann auf artenarmen Nachbarflächen ausgestreut. Nach 2-3 Jahren dürfen dann auch diese Nachbarflächen hochwachsen und werden ebenfalls nur noch 1-2 mal im Jahr gemäht.

Wenn bereits eine Wiese oder ein Rasen vorhanden ist und für Wildbienen umgestaltet werden soll, muss nicht der ganze Rasen mit der Fräse entfernt werden. Alternativ ist es möglich, Streifen oder Inseln vom Rasen zu befreien, um dort initial Wildblumen aus dem Topf zu pflanzen, oder selbst vorgezogene Jungpflanzen zu setzen.  Die Blumen säen sich in den Folgejahren selbständig in den Rasen aus. Der übrige Rasen wird in den nächsten Jahren weder gedüngt noch gespritzt und möglichst auch nicht mehr gegossen, während er weiter kurz gemäht und gerne auch vertikutiert werden darf. Die Samenstände der Blumeninseln bleiben bis zum Herbst stehen. Einmal jährlich im Herbst werden die Blumeninseln zurückgeschnitten und die Samenstände werden auf dem umgebenden Rasen verstreut. Der Vorteil dieser Methode ist die genaue Kontrolle über die Blumenarten, die zum Einsatz kommen. Alle wildbienenfreundlichen Pflanzen die man haben möchte befinden sich gleich zu Beginn im Rasen. Der Einsatz großer Maschinen entfällt. Es müssen nur wenige Quadratmeter umgegraben werden. Das Risiko der Nichtkeimung bei Dürre wird umgangen.