Von ungefähr 20 Libellenarten Deutschlands ist bekannt, dass sie in Gartenteichen heranwachsen können. Der ganze faszinierende Lebenszyklus dieser Arten lässt sich im Garten beobachten. Doch auf der Durchreise zum nächsten Biotop können auch viel seltenere Libellenarten im Garten einkehren. Diese Galerie zeigt die Bewohnerinnen und die Gäste, wie sie am flachen 20 Quadratmeter Teich von Guntersblum und in der Literatur vorkommen.
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Das sicherste Unterscheidungsmerkmal von Großlibellen (links) und Kleinlibellen (rechts) ist nicht die Körperlänge, es ist der Abstand der Augen zueinander. Kleinlibellen haben weit auseinander liegende Augen. Guntersblum, Garten, 26.08.2024
Der Spitzenfleck ist keine typische Gartenart. Wenn der Garten jedoch in der Nähe eines Biotops liegt, können auch solche untypischen Arten vorbeischauen.
Libellula fulva, Guntersblum, Garten, 11.06.2023
Der Plattbauch ist hingegen gerne in Gartenteichen zu Gast. Er benötigt etwas Teichboden ohne Bewuchs, gerne lehmig oder sandig. Er mag es sonnig und verträgt teilweises Trockenfallen.
Libellula depressa, Guntersblum, Garten, 24.06.2023
Kurz nach dem Schlupf sind die Flügel hochempfindlich. Dieses Plattbauch-Weibchen hatte Pech, die Flügel wurden dauerhaft verbogen. Guntersblum, Garten, 03.05.2024
Die große Pechlibelle ist eine weit verbreitete Art. Sie kann gut beobachtet werden, wie sie sitzend auf Beute lauert. Mai bis Sept. Als Larve mehrere Monate bis 1 Jahr. Schwimmblattpflanzen.
Ischnura elegans, Guntersblum, Garten, 24.6.23
Die Hufeisen-Azurjungfer ist eine besonders häufige Art an Gartenteichen. Mai bis Aug. Eiablage in Wasserpflanzen. Als Larve 1 Jahr.
Coenagrion puella, Guntersblum, Garten, 24.6.23
Die Gemeine Becherjungfer zeigt einen "Becher" auf dem zweiten Hinterleibssegment. Jun-Aug. Eiablage in Pflanzen die niedrig aus dem Wasser ragen, an diesen auch Schlupf. Als Larve meist 1 Jahr.
Foto: www.naturspektrum.de Holger Gröschl 9.9.12
Die große Heidelibelle entwickelt sich in den warmen Uferzonen des Teiches. Juli bis Okt. Als Larve 1 Jahr. Gern warme und neue Teiche.
Sympetrum striolatum, Guntersblum, Garten, 25.08.2022
Die Gemeine Winterlibelle lässt sich fast das ganze Jahr beobachten. Da sie Gewässer mit Röhricht oder Seggen bevorzugt, dürfte sie vor allem in solchen Gärten vorbeischauen, die in der Nähe solcher Standorte liegen. Überwinterung als adultes Tier.
Sympecma fusca, Guntersblum, Garten
Die Blaue Federlibelle ist lässt sich in den Sommermonaten am Teich und in Bodennähe beobachten. Plactycnemis pennipes, Guntersblum Garten, 15.06.2025
Auch die Gemeine Weidenjungfer kommt als Gast aus der Nachbarschaft: Sie benötigt Weidenzweige, die über das Wasser hängen als Kinderstube.
Chalcolestes viridis, Guntersblum, Garten, 29.07.2023
Eine Frühe Adonislibelle, direkt nach dem Schlupf im April. Pyrrhosoma nymphula, Guntersblum, Garten, 11.04.2024
Ein junges Männchen der Frühen Adonislibelle.
Pyrrhosoma nymphula, Guntersblum Garten, 13.06.2021
Die Frühe Adonislibelle paart sich am Teich. Der Nebenbuhler am rechten Bildrand versucht immer wieder, anzugreifen. Pyrrhosoma nymphula, Guntersblum, Garten, 12.05.2024
Es gibt zwei Arten der Prachtlibellen in Deutschland - und beide benötigen Fließgewässer. Man kann sich die Aufregung vorstellen, als diese wundervolle Männchen am vollkommen stillstehenden Guntersblumer Gartenteich landete. merke: In der Nähe naturnaher Bäche und Kanäle können selbst Prachtlibellen zur Jagd in den Garten fliegen. Calopteryx splendens, Guntersblum, Garten, 07.07.2024
Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist eine der prächtigsten Teichgäste im Herbst. Juli bis Okt. Eiablage an totes Pflanzenmaterial im Wasser, Rinde, Moos. Überwinterung als Ei. Als Larve 2-3 Jahre.
Aeshna cyanea, Guntersblum, Garten, 3.9.23
Die Feuerlibelle ist aus dem Süden eingewandert und einer Zeiger des Klimawandels. Sie dürfte an Gartenteichen immer häufiger werden. Die Larven benötigen sehr warme Gewässer.
Crocothemis erythraea, Guntersblum, Garten, 18.06.2023
Die Geschlechter der großen Heidelibelle sind - wie bei den meisten Libellenarten - unterschiedlich gefärbt oder gemustert. Während der Paarung wechseln sie im Garten von Pflanze zu Pflanze.
Sympetrum, Guntersblum, Garten, 3.9.23
Der Große Blaupfeil beendet die Paarung im Sitzen. Grüne Augen, keine Basalflecken. Ende Mai bis Mitte Sept. Teichsubstrat aus Sand oder Kies. Etwas offenes Wasser. Gern neue Teiche. Als Larve 2-3 Jahre.
Foto: www.naturspektrum.de Holger Gröschl, 5.8.11
Die Große Königslibelle zeigt einen durchgehend schwarzen Streifen und einen grünen Thorax. Sehr groß. Jun-Aug. Eiablage an totes Pflanzenmaterial unter Wasser. Als Larve 1-2 Jahre. Mag neue Teiche. Aggressiv gegen andere Libellen.
Foto: www.naturspektrum.de Holger Gröschl 10.6.16
Wildbienen benötigen keine Wasserfläche im Garten. Libellen schon. Mehrere Monate bis mehrere Jahre verbringen die Larven der Libellen im Wasser, bis sie für mehrere Wochen als adulte Tiere umherfliegen. Alle diese Larven ernähren sich von tierischer Kost und sind dabei nicht wählerisch. Doch längst nicht alle Libellenarten lassen sich im Garten fördern.
In Deutschland gibt es ca. 80 Libellenarten – Kleinlibellen mit weit auseinander liegenden Augen und Großlibellen mit eng zusammen liegenden Augen. Zahlreiche Arten sind an schmale oder breite Fließgewässer angepasst – doch Gartenteiche sind nun einmal stehende Gewässer. Weitere zahlreiche Arten möchten große Wasserflächen mit weiten Randzonen und keine kleinen Kunststoff-Senken, wie es Gartenteiche nun einmal sind. Es gibt Libellenarten für Quellen und für Moore – beides im Garten nicht umsetzbar. Und dann sind da noch die Ansprüche an Bodensubstrat, Ungestörtheit über Monate oder Jahre, Wassertemperatur und Nährstoffarmut, sowie Bewuchsart und Bewuchsdichte, welche häufig nur von Naturstandorten erfüllt werden. Aufgrund der Ansprüche vieler Libellen an kühle, sehr saubere Gewässer in Verbindung mit einer naturnahen Umgebung sind Libellen gute Indikatoren für den Zustand der Umwelt.
Weltweit sind Süßwasserlebensräume stark bedroht. In Deutschland sind dadurch zahlreiche Libellenarten vom Aussterben bedroht und lassen sich auch im Garten nicht retten. Zu den wesentlichsten Ursachen zählen: Austrocknung und Überhitzung durch Klimawandel, Stoffeintrag durch Industrie und Landwirtschaft, gefräßige Neozoen wie z.B. Krebse, künstlicher Fischbesatz, Spezialisierung der Libellenart auf bestimmte Lebensbedingungen.
Im Garten lassen sich in sehr guten Teichen immerhin rund 20 verschiedene Arten beobachten – alle davon eher häufig und eher anpassungsfähig. Und dennoch schön und sehenswert. Diese Arten können das Teichgewässer bewohnen und dort ihren Lebenszyklus durchführen. Je nach Lage des Grundstücks können weitere Libellenarten als Gäste zum Jagen vorbeikommen.
Libellenarten – die Bewohner und die Gäste
Bewohnerinnen: die Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella)
die Gemeine Becherjungfer (Enalagma cyathigerum)
das Kleine Granatauge (Erythromma viridulum)
die Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula)
die Große Pechlibelle (Ishnura elegans)
die Kleine Pechlibelle (Ishnura pumilo)
die Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca)
die Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum)
die Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum)
der Plattbauch (Libellula depressa)
der Große Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)
der Vierfleck (Libellula quadrimaculata)
die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea)
die Königslibelle (Anax imperator)
Gäste: die Weidenjungfer (Chalcolestes viridis)
der Spitzenfleck (Libellula fulva)
die Feuerlibelle (Crocothemis erythraea) (Ausdehnung seit den 1990ern aus Afrika aufgrund des Klimawandels)